Die Jahrhundertfeier

Aus der Chronik zum 175-jährigen Bestehen der Gütersloher Schützengesellschaft:

Die ersten monate des Jahres 1932 standen im Zeichen der Vorbereitungen für das 30. Westälische Bundesschießen under Hundertjahrfeier des Vereins. Der Gütersloher Schützenverein wurde aus Anlass seines hundertjährigen Bestehens vom Westfälischen Schützenbund mit der Durchführung des Bundesschießens beauftragt. Die Festleitung für das Bundesschießen übernahmen die Schützenbrüder Heinrich Wessendorf und Erwin Bartsch. Die Durchführung der Hunderjahrfeier wurde in die Hänge des Vereinskassieres Gustav Klußmann gelegt. Der Ehrenrat wurde von Heinrich Wessendorf, Heinrich Strüwer, Paul Kepmer, otto Rheker, Arnold Maaß, Röbke, Hubert Rottwinkel, J. Schmelz, Willy Saligmann und Wilhelm Brockmann gebildet. Darüber hinaus wurde die Einrrichtung eines Sportplatzes auf dem bisherigen Rummeplatz genehmigt.

In der Generalversammlung vom 28. Mai 1932 wurde bkeannt gegegebm, dass die Vorbereitungen für das Jubiläum abgeschlossen wurden. Zum Festmarsch hatten sich 26 Vereine mit 1200 – 1300 Mann, 23 Fahnen sowie 6 Trommelkorps und 2 Musikkorps angemeldet. Der Verein gab eine Festzeitung und ein Festbuch heraus.

Vom 11. bis zum 13. Juni 1932 fanden im Heidewald die Feiern zum 100-järhigen Bestehen des Schützenvereins statt. Das Fest begann am 11. Juni mit dem üblichen Zapfenstreich. Eine große Anzahl an Vereinen war zu der Feier am 12. Juni erschienen. Etwa 1500 fremde Schützen hatten sich eingefunden und auf dem marktplatz Aufstellung genommen. Noch nie hatte Gütersloh in seinen Mauern soviel fremde Schützen gesehen wie an diesem Tage. Zwei Dutzend auswärtige Vereine waren als Gratulanten erschienen. Die Damen des Vereins ließen ein Fahnenband, das Offizier- und Unteroffizierkorps einen Fahnenkranz mit Widmung überreichen. Die Schützengesellschaft Bielefeld überreichte einen Fahnennagel mit der eingravierten goldenen Medaille, der höchsten Auszeichnung des Vereins. Einen goldenen Kranz überreichte der Schützenverein Nordhorn. Weitere Fahnennägel stifteten die Schützenvereine St. Sebastian Wiedenbrück, Sundern, Kattenstroth, Niehorst, Avenwedde, Pavenstädt, Brackwede und der Krieger- und Landwehrverein Spexard.

Am dritten Tag der Hundertjahrfeier frühstückten die Schützen schon um 6 Uhr im Standquartier. Nach dem Frübhstück maschierten die beiden Kompanien zum Rathaus. Die zweite Kompanie holte die Fahne ab. Vom Rathausplatz marschierte der stattliche Zug zum Nordring um König August Bottemöller abzuholen. Die Beteiligung am Generalmarsch war mit etwa 180 Schützen außerorderntlich stark. Nach einer kurzen Ruhepause im Heidewald nahm König August Bottemöller im Beisein der Offiziere die Adlertaufe mit folgender kurzen Ansprache vor:

»Liebe Schützen! Wir kommen jetzt zum Höhepunkt unserer Hundertjahrfeier. Wir wollen hoffen und wünschen, dass wir mit neuer Kraft und stetem Mut das zweite Jahrhundert antreten und vollenden. Wie wir gestern gesehen haben, kann vieles durch Einigkeit erreicht werden. Einig wollen wir auch weiter zusammen stehen, und da darum taufe ich Dich, Ermittler des hundertsten Königs, auf “Einigkeit”.«

Mit einem Glas Wein wurde der Vogel getauft. Der alte König gab den ersten Schuss auf den Adler ab. Einigen hundert Schüsse wurden abgefeuert, bis Willi Hornberg den Reichsapfel herunter geschossen hatte. Kurze Zeit später fiel das Zepter und die Krone. Das Zepter schossd Hubert Brentrup und die Krone der amtierende König August Bottemöller. Nachdem die Krone gefallen war, wurde eine Pause eingelegt. Die Schützen erhielten ein westfälisches Frühstück, welches vom Verein gestiftet wurde. Das Königgschießen zog sich bis in die frühen Nachmittagsstunden hinein. Gegen 14 Uhr fiel dann auch der Adler und Heinrich Johannknecketteht wurde der neue König der Gütersloher Schützen.
Um 15 Uhr fand nach einem kleinen Umzug durch den Heidewald die Köningsproklamation statt, die vom Schützenoberst vorgenommen wurde. Der neue König, Heinrich III., versprach in seinem Amt, alle Rechte der Schützen zu wahren und den Zielen des Schützenvereins zu dienen.

Die Königskette wurde 1907 aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Schützenvereins Gütersloh e.V. dem damamligen Schützenkönig Hans Derichsweiler gestifet.